Geschichte
Noth-Gottes und Bornhofen Wallfahrten

Die Krufter Fußwallfahrt zum Blutschwitzenden Heiland nach Nothgottes wurde erstmals erwähnt auf einem Kerzenschild zu Nothgottes im Jahre 1674. Auch wenn aus dieser Zeit keine Urkunden mehr vorhanden sind, wird doch übereinstimmend berichtet, daß verheerende Krankheiten – die Pest - der Anlaß zu dem Gelübde waren, alljährlich eine Fußwallfahrt von Kruft nach Nothgottes zu machen. Die Hungersnot und ganz besonders die ansteckende Krankheit wie die Pest – hatten die Gemeinde Kruft, in der Nähe des Klostergutes Maria Laache und die ganze Region der Pellenz fast aussterben lassen. Die Annahme ist berechtigt, daß die Bewohner von Kruft in diesen Nöten ihre Zuflucht zum Blutschwitzenden Heiland nach Nothgottes nahmen, wo sie im Jahre 1674 zum ersten Mal eine Votivkerze opferten. Seit jener Zeit ist die Wallfahrt nie unterlassen worden, auch nicht in den sehr schwierigen Jahren der Kriege und heute ist Kruft der einzige Ort, der alljährlich in ununterbrochener Reihenfolge die Wallfahrt nach Nothgottes pilgert.

 

Es ist ein opferreicher Fußweg, der große Anforderungen stellt, über eine Wegstrecke von ca. 85 km, der 3 Tage dauert. Alljährlich machen sich viele Bürger aus Kruft, Kretz, Nickenich, Meuspath sowie auch aus den Nachbargemeinden auf diesen beschwerlichen Fußweg. Es verdient große Anerkennung und zeugt auch in der heutigen Zeit von starkem Glauben in der Pfarrei St. Dionysius Kruft – Kretz, daß sie durch die Stürme der Zeit hindurch bis jetzt treu dem Gelübde der Väter, Brauch und Tradition der Vorfahren diese Wallfahrt nach Nothgottes aufrecht erhalten haben.

 

Daß der Wallfahrtsort Nothgottes bei Rüdesheim wieder aus dem Schutt der Kriegsjahre entstand, ist wohl nicht zum geringsten Teil dem standhaften Festhalten der Krufter Pilger zu verdanken. Auch die schlimmen Kriegsjahre mit ihrem namenlosen Leid trafen die Nothgottes-Pilger hart und schwer. Aber das Gottvertrauen der Krufter Pilger konnte bis heute nicht erschüttert werden,. so daß die Wallfahrt auch jedes Jahr aufrecherhalten wurde. In den früheren Jahren fand die Fußwallfahrt immer vom 4. September bis 6. September eines jeweiligen Jahres statt. Die genauen Gründe bezüglich dieses Termines der alljährlichen Fußwallfahrt sind nicht urkundlich festgehalten. Die Annahme liegt wohl darin, daß sehr viele Pilger mit der Landwirtschaft verbunden waren oder auch dort arbeiteten und meist zu diesem Zeitpunkt die Erntezeit beendet war.

 

Bis etwa zum Jahre 1930 begann die Fußwallfahrt immer am 4. September um 13.00 Uhr ab der Pfarrkirche St. Dionysius Kruft mit einer „Vorprozession“, die dann bis nach Dieblich an der Mosel ging. Die „Nachprozession“ ging dann am 5. September um 1.00 Uhr bis nach Dieblich. Hier trafen sich alle Fußpilger gemeinsam um 6.00 Uhr zur hl. Messe in Dieblich und der Weitergang bis nach Oberwesel am zweiten Wallfahrtstage, bevor man dann am dritten Wallfahrtstage bis nach Nothgottes pilgerte. Bis etwa zum Jahre 1958 nach dem Einzug der Fußpilger in Nothgottes und dem Weitergang nach Rüdesheim verblieb man dann dort bis zum 4. Tage in Rüdesheim. Dann machte man sich nach der Morgenmesse auf die Heimfahrt mit dem Schiff bis Andernach. Mit der Bahn fuhr man dann von Andernach nach Kruft, wo alle Fußpilger in einer feierlichen Prozession in die Pfarrkirche St. Dionysius geleitet wurden mit dem feierlichen Abschlußsegen.

 

Seit dieser Zeit fand auch die alljährliche Buswallfahrt statt für alle älteren Pilger und auch für die Rückreise der Fußpilger nach Beendigung der Fußwallfahrt am 3. Tage ab Rüdesheim, die die Heimfahrt mit dem Bus machten. In den Jahren 1926 – 1929 ab Boppard setzten mit der Fähre einige Fußpilger über den Rhein und gingen dann bis nach Bornhofen zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes.

 

Diese Fußwallfahrt nach Bornhofen wurde in den späteren Jahren auf den 6. September verlegt. Heute findet die Fußwallfahrt immer am Fest Christi Himmelfahrt statt. Die Gebetsordnung von Nothgottes wurde bis heute beibehalten. In den früheren Jahren bis zu Anfang 1950 ging auch jeweils am 6. September die Maria-Hilf-Prozession von Kruft nach Koblenz. Hier am Gnadenbilde von Maria-Hilf vereinigten sich dann die Krufter Pilgerzüge von Nothgottes, Bornhofen und Maria-Hilf am 6. September und traten dann von hier aus gemeinschaftlich die Rückreise nach Kruft an. In einer feierlichen Prozession hielt man Einzug in die Pfarrkirche St. Dionysius Kruft, wo mit einer feierlichen Dankandacht die Wallfahrten alljährlich endeten.

 

Am 7. September 1928 wurde die Nothgottes-Bruderschaft Kruft mit 110 Personen gegründet. Hier galt es dann, die Wahrung nach Brauch und Tradition und dem Versprechen der Vorfahren die alljährliche Fußwallfahrt vorzubereiten sowie auch die Instandhaltung der zahlreichen Stationen, Kapellen und Wegekreuze, die sich heute im Besitz der Nothgottes-Bruderschaft befinden. Im Jahre 1977 unter Altpilgerführer Ottmar Luxem und Jungpilgerführer Werner Krings gaben die Fußpilger anläßlich der Fußwallfahrt auf dem Reiterhof Nassheck die Anregung, die Fußwallfahrt der heutigen Zeit anzupassen und auf das erste Wochenende im September eines Jahres zu verlegen. Anläßlich der Jahreshauptversammlung im Jahre 1978 fand diese Veränderung auch die Zustimmung. Seit dieser Zeit ist die Teilnehmerzahl der Fußpilger auf stetig weit über 100 Personen angestiegen und vor allem auch sehr viele jüngere Fußpilger können daran teilnehmen.

 

Die Fußwallfahrt wird geleitet von dem Altpilgerführer und dem Jungpilgerführer, die innerhalb der Prozession die Gebetsordnung vorgeben. Im Einvernehmen ernennt der Altpilgerführer alljährlich den Jungpilger an der Kapelle in Nothgottes. Im ersten Jahre das Vorbeten als Jungpilger, im zweiten Jahr wird er Altpilger und ernennt bei seinem Ausscheiden den nächsten Jungpilger. Seit dem Jahre 1888 sind alle Namen der Pilgerführer bekannt und im Pilgerbuch und auch auf den Tafeln in Nothgottes eingetragen. Möge Gott alle Pilger in ihren Anliegen auf dem Pilgerweg nach Nothgottes stärken und eine bleibende Kraft in der Zukunft sein. Gott sei uns gnädig, besonders dem Gelingen der Wallfahrt den Fuß- und den Buspilger, nach dem Versprechen unserer Vorfahren, Brauch und Tradition der Nothgottes-Bruderschaft Kruft.